Ortsgeschichte

Heiden vor 1838

Dorfansicht von Heiden vor dem Brand. 

Der Dorfplatz von Heiden. Federaquarell von Johann Ulrich Fitzi, 1838

Der Dorfbrand 1838

Der 7. September 1838 veränderte alles im Appenzeller Dorf Heiden: Innerhalb weniger Stunden wurden während eines Föhnsturmes 129 Häuser und Ställe durch einen verheerenden Brand, ausgebrochen in einer Schmiede am Kohlplatz, in Schutt und Asche gelegt.

Blick von Hinterergerten auf das brennende Heiden. Aquatinta von Johann Baptist Isenring (1796-1860), 1838 

Die grosse Brandstätte. Aquatinta von Johann Baptist Isenring (1796-1860), 1838 

Nach dem Brand: Blick von Hinterergerten auf die Brandstätte Heiden. Aquatinta von Johann Baptist Isenring (1796-1860), 1838 

Der Wiederaufbau im klassizistischen Stil

An die Stelle der bislang üblichen Holzkonstruktionen trat eine feuersichere Bauweise. Die neuen Gebäude waren entweder aus Stein oder als Riegelbau konzipiert, bei dem die Gefache mit feuerfestem Material ausgefüllt waren. Bereits zwei Jahre nach dem Brand waren 58 neue Häuser erstellt und 41 davon bewohnbar.

Stilistisch orientierten sich die Gebäude am herrschenden Klassizismus, der sich an die Antike und deren Interpretation in der Renaissance anlehnt - allerdings in einer "biedermeierlichen" Variante mit einer Wendung zum Schlichten.

Plan des Curortes Heiden. 

Der Architekt Felix Wilhelm Kubly (1802-1872)

Bauplan von Heiden (Ausschnitt). Johann Ulrich Fitzi (1798-1855)

Die neue Kirche Heiden

Plan des Curortes Heiden. Lithographie, 1870-er Jahre.

Heiden wird ein international bekannter Kurort

Luft- und Molkenkuren werden zu einem Markenzeichen für das Appenzeller Vorderland. Weitere Gesundheitsangebote wie etwa die Augenheilkunde (Albrecht von Graefe) ergänzen das Angebot. Die Hotellerie wächst und zieht zunehmend internationale Kurgäste an.

Das aufstrebende Kurwesen veranlasst den Bezirksgerichtspräsidenten Johannes Kellenberger 1847 dazu, die "Bierbrauerei zum Freihof" in eine Kuranstalt umzubauen.

Die Werbe-Karte der Pension Krone.

Der Kursaal

Der maurisch anmutende Kursaal wurde 1874 durch den britischen Architekten Horace Edouard Davinet (1839-1922) erbaut. Das Kurorchester mit seinen bis zu 12 Musikern spielte dreimal täglich zur Erbauung der noblen Gäste.

Das Empfangskomitee am Bahnhof Heiden, Postkarte

Das Kurorchester, Postkarte

Die Rorschach-Heiden-Bergbahn mit direkter Verbindung nach Berlin 

Die Rorschach-Heiden-Bergbahn wurde 1875 als Normalspur-Zahnradbahn eröffnet. Ihr standen drei Dampflokomotiven, neun Personen- und acht Güterwagen zur Verfügung. Die Bahnstrecke ist 7‘163 m lang und überwindet eine Höhe von gut 400 m. Aufgrund der Normalspur konnten internationale Bahnwagen nach Heiden verkehren, so dass die Gäste nicht umsteigen mussten. 1930 erfolgte die Elektrifzierung. 

Fahrplan und Werbeplakat: die Anfänge der Tourismuswerbung für Heiden.

Biedermeier 

Der Begriff "Biedermeier" ist eine unscharfe Epochenbezeichnung der Kulturgeschichte für den Zeitraum von 1815-1845 vor allem im deutschsprachigen Raum. Er bezeichnet eine konservative Bewegung im Zuge der Restauration nach der napoleonischen Ära. Die Biedermeierkultur pflegte den Rückzugs ins Private und in die Idylle einer kleinbürgerlichen, durch Häuslichkeit und Hauskultur geprägten Lebensweise.

Bürgerliche Behaglichkeit prägt den Stil von Biedermeier-Möbeln und -Interieurs.

Tradition verpflichtet! Uns ist es eine Ehre, sie lebendig zu halten!

Der "Verein Biedermeier Heiden" hält die Kultur des Biedermeier mit seinen Aktivitäten lebendig. Kleider und Ausstattungen werden mit edelsten Materialien und aufwändiger Handarbeit restauriert und teilweise neu erstellt. Der Verein veranstaltet alle vier Jahre ein Biedermeierfest in Heiden, das zu einer neuen Tradition geworden ist.